Nach Tunesien scheint sich auch in meiner Wahlheimat Ägypten die Unruhe über die mehr als dreißig Jahre Mubarak-Regime laut breit zu machen.

Die BBC meldet Unruhen im ganzen Land, Demonstrationen von Tausenden. Auf einer Facebook Seite werden die Aktivitäten der Regime-Gegner koordiniert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Social Network im Land der Pharaonen gesperrt wird. Seit Mai schon können die Ägypter über die offiziellen Provider kein Skype mehr nutzen. Aus Kairo ist zu hören, dass seit gut einer Stunde angeblich auch der Nachrichtendienst Twitter geblockt sein soll.

Ich kann nur hoffen, dass sie es schaffen, die Ägypter. Hosni Mubarak gehört längst nicht mehr an eine Staatsspitze. Eine Chance für Mohammed El-Baradei!

Was passiert?
Die West-Östliche Diva geht an den Start.

Wer ist sie, die West-Östliche Diva?
Sie schreibt und übersetzt, und interessiert sich auch sonst für alles, was mit ihren zwei Welten zu tun hat. Sie spricht Arabisch und Deutsch und versteht sich als Vermittlerin zwischen Orient und Okzident.

Was könnt ihr erwarten von der West-Östlichen Diva?
Die Perspektive eines deutsch-arabischen Third-Culture-Kids. Fundierte und kompetente Meinungsäußerungen zu Themen rund um die arabische Welt, gelegentliche Aufreger, wenn es um Schlimme Dinge wie die „Integrationsdebatte“ geht, und gern auch mal Jubel, wenn es schöne Bücher, Filme, Musik und andere Dinge zu entdecken gibt.

Warum tut sie das, die West-Östliche Diva?
In erster Linie, weil sie Lust hat, über Themen zu schreiben, die man sonst viel zu selten zu lesen bekommt. Aber vor allem auch, weil sie etwas verändern möchte. Überall wird von Arabern, Moslems, dem Islam und dem nahöstlichen Kulturkreis im allgemeinen als bedrohlich, als fremd, als nicht integrationsfähig und gewaltbereit geschrieben und geredet. Diese Perspektive hat in den letzten Jahren Überhand genommen und ist langsam und gefährlich tief ins gesellschaftliche Bewusstsein gesickert, wie aktuelle Debatten wie z.B um Thilo Sarrazin zeigen. Das passt der West-Östlichen Diva nicht. Hier soll ein Raum entstehen, in dem es um Verbindung, Öffnung und Brückenbau gehen wird. Und hoffentlich kann die West-Östliche Diva den Dialog über den Orient bereichern, dabei helfen, interkulturelle Missverständnisse beizulegen und unsere Perspektive auf die arabische Welt ein bisschen verändern.

Bleibt nur – Viel Spaß und مع السلامة

Der britische Satiriker, Autor und Regisseur Chris Morris hat gewagt, was sich bislang kaum jemand getraut hat. Er zeigt uns die absurd-komische Seite des zur Zeit so hippen islamistischen Terrorismus.

In seinem ersten Spielfilm „Four Lions“ erzählt er von 5 jungen Männern im englischen Sheffield, die nach diversen Rückschlägen im Leben entscheiden, Selbstmordattentäter zu werden und ein Terrorcamp in Pakistan aufzusuchen. Der Weg dahin sowie das furiose Finale sind selbstverständlich gepflastert mit allerlei Fallstricken und versetzt mit grandiosen, absurden Dialogen. „Four Lions“ hat in den vergangenen Monaten viele Preise gewonnen und passable Ergebnisse eingespielt. Allein in Deutschland hatte sich bis vor kurzem kein Verleih gefunden. Das allein wäre schon – zumindest für mich – Grund genug zur Aufregung. Das Zögern der Verleiher schreit geradezu „Selbstzensur aus Angst“. Aber gut, man kann – und wird – mit Zahlen argumentieren, mit mangelnder Bekanntheit von Regisseur und Darstellern, harte Zeiten, man kennt das, kein Geld für Kunst, nein, das hat sicher nichts damit zu tun, dass der Film von fünf verhinderten Selbstmordattentätern handelt, nein, wäre Leonardo Di Caprio einer von ihnen, würde man den Film sicher zeigen. Na ja. Wer’s glaubt.

Nun hat sich aber doch mit dem Berliner Verleih Capelight Pictures ein gar nicht mal so kleines Zuhause für dieses herrliche Stück Satire gefunden, alles scheint gut und ich freue mich schon auf April. Dann nämlich soll „Four Lions“ hierzulande in den Kinos zu sehen sein.

Nun war vor Kurzem auf Spiegel Online zu lesen: „CSU will Islamistensatire“ verbieten. Wie bitte? Einen Film verbieten? Öffentlich Zensur fordern? Aus Angst gar, wie es in dem Artikel heißt, ein solches Werk könne „Öl ins Feuer gießen“? (Besonders komisch finde ich in diesem Zusammenhang die Wortwahl. Ist das eine Satire auf die Satire? Oh nein, ich fürchte, es war ernst gemeint …)
Nach ein- zweimal ruhig durchatmen kann man dann aber doch sehen, es ist nicht die gesamte CSU, die hier auf die Barrikaden geht gegen einen klugen, für unser Zeit so nötigen Film, nein, es ist nur ein einzelner Abgeordneter, ein Herr Stephan Mayer, der auch nichts von Verbot sagt, sondern nur, dass er es für „gefährlich“ hält, „in diesen Zeiten“ so einen Film zu zeigen.

Was genau befürchtet Herr Stephan Mayer aus Bayern? Die Bedrohung durch islamistisch motivierten Terror ist real, das wissen wir und sehen es Tag für Tag in den Nachrichten. An den Hauptbahnhöfen in Berlin und Hamburg, und bestimmt auch anderorts patrouillieren schwer bewaffnete Polizisten. Wer mal in Beirut, Kairo oder Damaskus war, bestimmt auch in vielen anderen Ländern und Städten dieser Welt, kennt diese Bilder als alltäglich. Lassen die Menschen sich dadurch beeinträchtigen? Nein. Lassen sie davon ab, zu feiern, das Leben zu genießen, Kunst zu schaffen und sich direkt oder auch subversiv mit Gefahren und Bedrohungen, welcher Art auch immer, auseinander zu setzen? Nein.

Auch Herr Stephan Mayer kann nicht im ernst behaupten, dass durch ein Verbot eines Filmes wie „Four Lions“ die Gefahr eines Terroranschlags in Deutschland verringert würde. Ich aber behaupte, dass es ein wichtiges Zeichen ist, gerade in dieser Zeit einen Film wie diesen in die Kinos zu bringen und einem breiten Publikum anzubieten. Zensur und Verbote sind eindeutig die falschen Signale und nur ein Eingeständnis von Angst. Regisseur Chris Morris war keinesfalls übermütig. Nur mutig. Wir sollten es ihm nachtun. Durch nichts verliert eine Gefahr so sehr ihre Bedrohlichkeit wie durch Gelächter.