Die gute Nachricht zuerst. Nach neun Tagen Gefängnis ist die Saudi-Araberin Manal Al-Sharif wieder auf freiem Fuße. Die Bedingungen ihrer Freilassung sind allerdings unklar.

Im Internet kursiert ein Statement, angeblich von Al-Sharif selbst heraus gegeben, das ihre Freilassung kommentiert. Darin bedankt sie sich in erster Linie bei König Abdallah und den Imamen der Zwei Heiligen Stätten für die Entscheidung, sie aus der Haft zu entlassen, entschuldigt sich dafür. dass ihre Motive missverstanden worden seien (sie habe sich nie als etwas anderes verstanden als eine treue Bürgerin Saudi Arabiens und als gläubige Muslimin), und lässt im Unklaren, inwieweit sie sich nun weiter für das Recht der Frauen im Königreich, sich selbst hinter’s Steuer zu setzen engagieren wird.

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Wenn ich mir von einer guten Fee etwas wünschen dürfte, dann würde ich sagen: „Hey, Fee. Mach doch mal, dass der Orientalismus in der selbsternannten Ersten Welt im 21. Jahrhundert endlich verschwindet!“

Komischer Wunsch, ich weiß, man könnte sich ja auch neue Schuhe wünschen, oder eine Weltreise, oder den Nobelpreis. Aber mich ärgert der alltägliche Orientalismus um mich herum einfach über alle Maßen, und ich glaube wirklich, könnte die gute Fee den beseitigen, ginge es mir sehr viel besser.

Gestern beispielsweise habe ich mich mit einer Kollegin unterhalten. Die hat beruflich auch hin und wieder mit arabischer Literatur, Musik und Politik zu tun, und erzählte folgende Anekdote:

Sie zeigt einem Kollegen ein Video auf Youtube, wo eine junge ägyptische Dichterin ein Werk vorliest, und zwar auf einer Bühne, vor Publikum. Ich kenne das Video, und glaube zu wissen, was als Nächstes kommt. „Lass mich raten“, sage ich, „der hat sich dran gestört, dass sie Kopftuch trägt, obwohl sie Anfang zwanzig ist und zur Bildungselite gehört!“„Ne, viel schlimmer“, sagt die Kollegin. „Am Ende klatschen die Leute im Publikum ja. Und der Typ meinte ernsthaft: ‚Ja, das ist ja jetzt schon sehr westlich, dass die applaudieren, ne?’“

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Wie das so ist in so großen Städten wie Berlin, ist man, zumal als Neuankömmling, erstmal erschlagen vom Überangebot. Das gilt für die 1 Million Cafés und Restaurants genauso wie für’s Shopping und für’s Kulturangebot.

Meistens erfährt man zufällig, und oft auch zu spät von Dingen, die einen interessiert hätten (Ausstellungen, Lesungen, Konzerte, Filme … ). Deshalb bin ich umso glücklicher, dass ich – natürlich rein zufällig – einen Tag vor Ende auf eine ganz tolle Ausstellung zu Arabischen Graffiti gestoßen bin.

Untergebracht im sogenannten Hip Hop Stützpunkt Berlin in Prenzlauer Berg findet sich, ganz versteckt aber höchst charmant, die Common Ground Gallery. Allein die Räume sind schon einen Besuch wert – es handelt sich nämlich um die Schaltzentrale eines alten Umspannwerkes, und man gelangt erst über eine Wendeltreppe in einem verschachtelten Turm in die Galerie. Toll! Mein Ruhrpott-Herz schlug schon sofort höher!

Nachdem wir die Ausstellung dann erstmal gefunden hatten, galt die Begeisterung aber nicht nur den Räumen! Eine spannende, sehr abwechslungsreiche Sammlung von arabischer Street Art vom Maghreb über Palästina bis Libanon konnte man bewundern, auch Werke, die die aktuellen revolutionären Bewegungen spiegeln. Und inmitten all der jungen Arbeiten waren dann auch noch Werke des grandiosen irakischen Kalligraphen Hassan Massoudy zu sehen. Also ich bin begeistert!

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Inzwischen haben auch die deutschen Medien das Thema aufgenommen und berichten von der jungen Frau, die in Saudi Arabien in Haft sitzt, weil sie Auto fuhr; die Tagesschau, die Zeit und der österreichische Standard brachten heute Beiträge dazu. Auch Amnesty International hat den Fall verurteilt.

Über den Verbleib vom AlSharif ist bislang nichts bekannt, vermutlich sitzt sie noch in Haft. Ihr Anwalt, Adnan Saleh hat sich bisher nicht öffentlich geäußert. Doch die Welle hat sich in Bewegung gesetzt, keine Frage! Es bleibt zu hoffen, dass all die öffentliche Aufmerksamkeit Manal nutzt, und nicht am Ende noch schadet!

 

Vor ungefähr einer Woche habe ich diesen Beitrag hier bei Jadaliyya, dem großartigen Onlinemagazine zum Thema Nahost, gefunden; ein Aufruf an die Frauen in Saudi Arabien, sich gegen das Fahrverbot für Frauen im Königreich zu wehren, und sich am 17. Juni hinter’s Steuer zu setzen.

Der Aufruf stammte von einer Kampagne um Manal Alsharif, eine junge Saudi, die den Stein ins Rollen gebracht, den Aufruf bei Youtube gestartet und die entsprechende Facebook-Gruppe gegründet hatte.

Der Aufruf betont, dass es im saudischen Gesetz und im Koran keinerlei Basis für ein Fahrverbot für Frauen gibt, und dass es im Lande viele Frauen gibt, die sich einen kostspieligen Fahrer oder Taxifahrten nicht leisten können. Wegen der gesetzlich festgelegten Geschlechtertrennung sind Frauen auch von der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ausgeschlossen. „Toll“, dachte ich, „mal sehen, ob das klappt“; ihr werdet euch erinnern, dass ich vor einiger Zeit hier schon mal was über die Frauen und ihre Einstellung zum Autofahren geschrieben habe.

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Liebe Diven und Diverche,

da war es still um die West-Östliche Diva in den letzten vier Wochen! Dabei war doch so viel los im Nahen Osten! Das tut mir sehr leid! Aber nicht nur im Nahen Osten, sondern auch an der Heimatfront hat sich viel getan, die Diva ist nämlich umgezogen; vom wunderschönen Norden, von Hamburg, meiner Perle hat es mich nach Berlin verschlagen! Auch schön!Hier habe ich mich nun eingerichtet und freu mich auf die Dinge, die da kommen.

Daher auch die Zeit des Schweigens, die im Leben offline mit Kistenschleppen und Regale schrauben verbracht worden war!
ABER!Nun geht es endlich weiter!Und kaum bin ich in Berlin, habe ich auch schon wundervolle neue Aufgaben! Die Diva hat nämlich drei ganz tolle und ganz verschiedene Dichter und Sänger übersetzt, die im Juni beim Poesiefestival in Berlin auftreten werden! Da könnt ihr dann alle hinkommen und El General, Hend Hammam und Deeb live erleben – und meine Übersetzungen gleich mit!

Diese drei sind allesamt junge Menschen aus den revolutionsgeschüttelten Ecken der Erde (Tunesien und Ägypten); El General hat mit seinem Stück Ra’is LeBled der tunesischen Jugend eine Stimme gegeben und war gar kurze Zeit verhaftet worden. Nun kommt er nach Berlin, trägt seine Raps vor und wird bestimmt auch von der Thawra (Revolution) in seiner Heimat erzählen.

Deeb ist ebenfalls Sänger und Dichter, allerdings aus Kairo, wie auch Hend Hammad, und die beiden haben tolle Texte zum Thema zu bieten! Deeb bringt außerdem noch coole Beats mit, und ich bin sicher, es wird ein spannendes Festival!

Das komplette Programm des Poesiefestivals findet ihr hier, El General, Deeb und Hend Hammam gibt es am 18. Juni in der Akademie der Künste zu sehen, auf dem Diskussionspodium, und anschließend auch auf der Bühne. Kommt alle vorbei, wird bestimmt spannend!!