Das Gute an freiwilliger Quarantäne: Man kommt endlich mal zum Schreiben.

In der ZEIT gibt es einen kleinen Dankesbrief an die Mama, und die wunderbaren Menschen von La Marelle in Marseille, die mich im vergangenen Jahr eingeladen hatten, haben ein hübsches Heft zusammen gestellt, die „Revue“ mit Text, Interview und schönen Bildern. Alles ins Französische übersetzt von Isabelle Liber. Viel Spaß, und bleibt gesund!

Ein wunderbares Erlebnis wurde mir zuteil, als das National Theatre Portland in den USA ein Stück aus meinem Roman Weil Wir Längst Woanders sind auf die Bühne gebracht hat.

Hier ein paar Eindrücke in Wort, Bild und Ton.

Vergangene Woche hatte ich die große Ehre, mit jemandem das Podium zu teilen, ohne den ich mich wahrscheinlich nie getraut hätte, selbst irgendwann das Schreiben anzufangen.

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Es war ungefähr 1996, ich war 17 Jahre alt und jobbte nach der Schule und am Wochenende in einer kleinen Buchhandlung in meiner Heimatstadt. Ich räumte Regale ein und aus, wischte Staub, ab und zu durfte ich auch mal Kunden beraten. Ich war ein nerdiger Teenager, am liebsten die Nase in Büchern gesteckt, und irgendwo tief in mir versteckt die ganz leise Fantasie, vielleicht ja auch mal Schriftstellerin sein zu können. Aber ach – wenn ich die Bücher so ein-, um- und ausräumte, waren da ja nur Namen wie Hermann Hesse, Thomas Mann, Günther Grass. Sie waren so deutsch, wie es deutscher kaum ging. Und Männer noch dazu. Wie um alles in der Welt hätte ich – ein Mädchen aus einer Kleinstadt im Kohlenpott mit komischem Namen – je das Recht beanspruchen können, meinen komischen Namen mal auf einem Buchdeckel zu sehen … Und dann fiel mir ein Buch in die Hand, das alles änderte. „Kanak Sprak“ von Feridun Zaimoglu. Nicht nur der Titel war bizarr-cool, auch der Name des Autors nicht so weiß und deutsch wie ich es bisher kannte. Da war einer – ein „Kanake“, wie ich, und der hatte ein Buch geschrieben … Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es für mein 17-jähriges Selbst war, das zu sehen, zu erfahren, als Möglichkeit in der Realität zu erfahren – ein „Kanake“ hatte Literatur gemacht. Es war das erste Mal, dass ich kurz dachte: „Okay, ich darf das auch …“

Und nun saß er plötzlich neben mir, ich mit ihm, in Hamburg auf dem Podium, und wir diskutierten über das hippe Thema „kulturelle Aneignung in der Literatur – worüber wir schreiben dürfen“. Schön, denn wir waren uns im Großen und Ganzen einig – schreibt doch, worüber ihr wollt, aber macht es bitte gut. Ich für meinen Teil möchte nämlich nie mehr einen orientalistisch angemalten Roman lesen, in dem vom „Geruch der Gewürze“ oder den „Mandelaugen“ der Frauen die Rede ist. Lasst euch was Originelleres einfallen, überlasst die billigen Klischees den Reiseführern dieser Welt.

Natürlich war’s am schönsten, dass ich Feridun persönlich sagen konnte, was sein Auftauchen in der literarischen Landschaft, damals Mitte der 90er, für mich bedeutet hat. Welch schöner Moment.

Ein Bild gibt es auch, wenn auch ein sehr verschwommenes – insgesamt sah der Abend sehr viel klarer aus.

Die Dichterin Safiye Can und ich haben uns über Heimat, Literatur und Politik unterhalten.

Hier kann man uns zulesen.

Mit ein paar Wochen Verspätung hier einige Eindrücke unserer fantastischen Lesung im Institut Du Monde Arabe in Paris.

Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, in diesem illustren Gebäude und in der Reihe der illustren Gäste mein Buch vorstellen zu dürfen. Ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten, es wird immer ein Highlight in meiner Karriere bleiben, unter diesem Dach auf der Bühne gesessen zu haben!

Während ich so still und semi-heimlich, aber hauptsächlich für mich an meinem neuen Roman arbeite, überbrücke ich die Zeit bis zum Erscheinen (irgendwann … ) mit der Freude über andere Publikationen.

Karen Köhler hat das aktuelle Heft der Akzente Reihe im Hanser Verlag kuratiert und mich eingeladen, einen Text beizusteuern. Das Heft mit dem Thema „Briefe an den Täter“ erscheint nächste Woche und versammelt Texte von ausschließlich weiblichen Autorinnen, unter anderem Lena Gorelik, Nora Gomringer und Karosh Taha. Ich freue mich, in dieser illustren Runde mitzuspielen!

Heft kann man ab nächste Woche hier bestellen und erfahren, wie vielfältig das Verständnis von „Brief“ und „Täter“ sein kann.

Akzente Heft 3 / 2019
Illustre Autorinnenrunde

Marseille liest gute Bücher …

In der Buchhandlung Maupetit Marseille wurde Notre Ailleurs, die französische Übersetzung von Längst Woanders gesichtet. Ich bin vor Freude ein bisschen die Straße herunter gehüpft. Merci, Marseille!

Notre Ailleurs in Marseille
Maupetit Marseille
Von der Buchhändlerin empfohlen!

Ich habe mich hingesetzt und etwas aufgenommen.

Vor ein paar Tagen ist mein Stück „To my beloved …“ erschienen und hat mir viel sehr berührende Rückmeldung verschafft. Danke dafür! Ich habe mich nun hingesetzt und das Stück selbst eingelesen. Es handelt sich um ein lyrisches Stück mit viel Rhythmus, und ich hatte das Gefühl, es kommt noch besser zur Geltung, wenn es laut gelesen wird.

Daher – ab sofort hier anzuhören:

Am vergangenen Montag hatten meine Co-Stipendiaten und ich hier im wunderschönen LCB die Möglichkeit, ein bisschen was vorzulesen.

Volles Haus, warme Wolken über dem Wannsee, Kohlrouladen in Einmachgläsern und ein kühles Glas Riesling. Was will man mehr für eine schöne Veranstaltung verlangen. Ich war zur Abwechslung mal wieder ein bisschen aufgeregt, ich wollte unbedingt aus dem neuen Romanmanuskript vorlesen, da weiß man ja nicht so richtig, wie das klappt oder es sich anfühlt. Aber am Ende war’s alles schön, wie sowieso im LCB alles traumhaft schön ist. Und wenn man dem versteckt anwesenden Kritiker glauben darf, war’s sogar ganz gut. Rezension hier.

Für mich ist die letzte Woche hier angebrochen, ich weine innerlich schon tägliche Tränen in den Wannsee. Ist schon eine Weile her, dass es sich irgendwo so gut, so ungestört und so wohlfühlig arbeiten ließ wie hier. Ich sage von Herzen Danke LCB! Vielleicht darf ich ja mal wieder kommen.

Lesung im LCB
Thorsten Dönges & Rasha Khayat
Lesung im LCB
Rasha & Thorsten im Gespräch

Bis zum neuen Roman dauert es noch etwas, einstweilen hier ein bisschen neuer Lesestoff.

Ganz besonders freue ich mich über meine erste Publikation in englischer Sprache, im Asymptote Journal. Eine kleine Spielerei mit Lyrik, Musik und viel Gefühl, hier zu lesen:

Außerdem habe ich auch für das Magazin deutsch-arabische Kulturmagazin Fann einen kleinen Text beigesteuert, den man hier nachlesen kann:

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