Die zwei Schwestern Rihan und Faia Younan haben mit ihrem Clip „Für unsere Länder“ ein kleines virales Wunder geschaffen. Mit seiner Einfachheit und Intensität hat der Clip inzwischen Millionen von Clicks auf Youtube.

Worum es geht – eigentlich ganz einfach: Begleitet von klassischen Liedern der großen Fairouz erinnern die beiden Frauen an die unmenschlichen Kriegszustände im Nahen Osten, aber auch zugleich an die Schönheit all dieser Länder. Während Rihan einfach nur ohne viel Pathos Land für Land die Kriegsverbrechen aufzählt, singt Faia die Lieder von Fairouz über „Beirut„, „Al Quds“ und „Baghdad„.

In dieser Einfachheit liegt die Kraft dieses Videos. Man kann sich dem intensiven Blick und den eindringlichen Stimmen nicht entziehen. Sie sprechen tausenden von Menschen aus der Seele – was man an der inzwischen weltweiten Verbreitung des Clips sehen kann. Das Schöne – es geht einfach nur um Frieden. Und den menschlichen Schmerz, der aus diesen jahrelangen Zuständen entsteht …

Die beiden Schwestern stammen selbst aus Syrien, leben aber seit über zehn Jahren in Schweden.

Und hier dann noch die Übersetzung des Textes, in Klammern die jeweiligen Lieder, die dazwischen gesungen werden.

(Song: Qara’tou Majdaki)

Syrien – 3 Jahre und mehr –

Ein verrückter, egoistischer und unlogischer Krieg.

3 Jahre, in denen Seelen, Herzen und Verstand zerstört wurden.

Ein Krieg, der sich heimlich durch die Tür geschlichen hat, ohne zu klopfen,

um sich in den Häusern festzusetzen und ihre Bewohner zu erniedrigen.

Ein Krieg, in dem Frauen und Kinder versklavt wurden,

ein Krieg, der die Mütter des Landes zum Weinen gebracht

und seine Männer ausgebrannt hat.

Ein Krieg, der keinen Anfang kannte und von seinem Ende träumt.

(Songs: Qara’tou Majdaki und Baghdad)

Und im Irak findet seit 10 Jahren eine Befreiung statt.

Eine Befreiung von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Tyrannei

Ersetzt durch größere Tyrannei, Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Eine Befreiung, die die Menschen aus ihrem Land vertrieben hat,

eine Befreiung, die spaltet, was schon zerklüftet war,

die zerbricht, was schon zerbrochen war.

Eine Befreiung, die das irakische Volk an den Rand drängte,

ganz gleich, welcher Religion oder welchem Volk sie angehören.

Eine Befreiung, die die Menschen versklavt und das Vaterland zerstört hat.

(Songs: Baghdad und Li Beirut)

Seit 40 Jahren

erleidet der Libanon und sein Volk viele Kriege –

Bürgerkriege, Religionskriege, Befreiungskriege,

sowie aggressive Invasionen, er bezahlt den Preis für die Unruhen der Region, für internationale Kompromisse und Deals

40 Jahre, in denen der kleine Libanon große Narben und tägliche Unruhen erleidet,

40 Jahre Schmerzen, zumeist still und duldsam.

(Songs: Li Beirut und Zahrat el-Mada’en)

Palästina – der Kompass für alle Konflikte

Größter und Ältester von allen

Mehr als 60 Jahre Verletzungen,

Generationen, die die mangelnde Logik der Vergangenheit bezeugen,

und die Barbarei von heute und die Angst von Morgen.

Verbannung, Ausbeutung, Entzug von Rechten,

gefolgt von der Entziehung von Land.

Mehr als 60 Jahre, in denen eine Geographie fast vollständig verschwand,

damit Grenzen gezogen werden konnten.

Grenzen, die Herzen und Verstand foltern,

Grenzen, die nicht aufgelöst werden.

Sodass sie in Vergangenheit und Zukunft kleben bleiben.

Grenzen, die Widerstand und Willensstärke schüren,

um eine lebendige und beständige Nation zu erschaffen.

(Song: Mawtini – Nationalhymne von Palästina)

Meine Heimat

Meine Heimat

Glanz und Schönheit, Erhabenheit und Geziertheit

Sind in deinen Hügeln, sind in deinen Hügeln

Leben und Freiheit, Freude und Hoffnung

Sind in deiner Luft, Sind in deiner Luft

Werde ich dich sehen? Werde ich dich sehen?

Sicher und angenehm

Gesund und geehrt

Werde ich dich sehen?

 

 

 

Je stärker der Druck zu schweigen, je kreativer und lauter die Stimmen. In Syrien produziert der Aktivist Jameel seit November die Fingerpuppenshow „Top Goon“ – Tagebuch eines kleinen Diktators. Hauptfigur ist Beeshu (unschwer zu erkennen, wer hier gemeint sein könnte).

Klassisches Kabarett mit Fingerpuppen als Form des Protests? Warum? „Wir brauchen nicht noch mehr Bilder von blutenden, sterbenden Menschen, wir müssen den Leuten Mut machen. Und wir müssen das Regime der Lächerlichkeit preisgeben.“ Dass die Opfer der Proteste nicht nur Zahlen, sondern Menschen sind, das will er zeigen, weil er selbst schon Freunde verloren hat in den letzten Monaten.

Inzwischen produziert Jameel, der mit dem Projekt „Top Goon“ sein Leben riskiert, seine Clips in der Türkei. „In Syrien ist es schon gefährlich, ein Telefon mit Kamera zu besitzen – geschweige denn ein ganzes Kamerateam.“

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