Marseille liest gute Bücher …

In der Buchhandlung Maupetit Marseille wurde Notre Ailleurs, die französische Übersetzung von Längst Woanders gesichtet. Ich bin vor Freude ein bisschen die Straße herunter gehüpft. Merci, Marseille!

Notre Ailleurs in Marseille
Maupetit Marseille
Von der Buchhändlerin empfohlen!

Ich habe mich hingesetzt und etwas aufgenommen.

Vor ein paar Tagen ist mein Stück „To my beloved …“ erschienen und hat mir viel sehr berührende Rückmeldung verschafft. Danke dafür! Ich habe mich nun hingesetzt und das Stück selbst eingelesen. Es handelt sich um ein lyrisches Stück mit viel Rhythmus, und ich hatte das Gefühl, es kommt noch besser zur Geltung, wenn es laut gelesen wird.

Daher – ab sofort hier anzuhören:

Am vergangenen Montag hatten meine Co-Stipendiaten und ich hier im wunderschönen LCB die Möglichkeit, ein bisschen was vorzulesen.

Volles Haus, warme Wolken über dem Wannsee, Kohlrouladen in Einmachgläsern und ein kühles Glas Riesling. Was will man mehr für eine schöne Veranstaltung verlangen. Ich war zur Abwechslung mal wieder ein bisschen aufgeregt, ich wollte unbedingt aus dem neuen Romanmanuskript vorlesen, da weiß man ja nicht so richtig, wie das klappt oder es sich anfühlt. Aber am Ende war’s alles schön, wie sowieso im LCB alles traumhaft schön ist. Und wenn man dem versteckt anwesenden Kritiker glauben darf, war’s sogar ganz gut. Rezension hier.

Für mich ist die letzte Woche hier angebrochen, ich weine innerlich schon tägliche Tränen in den Wannsee. Ist schon eine Weile her, dass es sich irgendwo so gut, so ungestört und so wohlfühlig arbeiten ließ wie hier. Ich sage von Herzen Danke LCB! Vielleicht darf ich ja mal wieder kommen.

Lesung im LCB
Thorsten Dönges & Rasha Khayat
Lesung im LCB
Rasha & Thorsten im Gespräch

Bis zum neuen Roman dauert es noch etwas, einstweilen hier ein bisschen neuer Lesestoff.

Ganz besonders freue ich mich über meine erste Publikation in englischer Sprache, im Asymptote Journal. Eine kleine Spielerei mit Lyrik, Musik und viel Gefühl, hier zu lesen:

Außerdem habe ich auch für das Magazin deutsch-arabische Kulturmagazin Fann einen kleinen Text beigesteuert, den man hier nachlesen kann:

Uuuund schon wieder unterwegs.

Kaum zurück aus Frankreich, hab‘ ich’s mir auch schon in Berlin gemütlich gemacht, diesmal als Residenzstipendiatin im LCB

Ich fühl‘ mich schon im besten Sinne wie Hans Castorp, gestern angekommen und schon vollsten Zen-Zustand erreicht. Erklärtes Ziel: Am Ende des Sommers steht ein Manuskript für’s zweite Buch, damit ihr nicht immer alle fragen müsst, wann’s weiter geht. 

Einstweilen so: 

Fensterblick LCB

 

Fensterblick im LCB

 

 

Mit leichter Verspätung ein paar Schnappschüsse unserer sehr schönen Lesereise in Frankreich.

Gemeinsam mit meiner wunderbaren Übersetzerin Isabelle Liber haben wir im Juni in Arles, Montpellier und Marseille die französische Übersetzung von „Weil wir längst woanders sind“ („Notre Ailleurs“, bei Actes Sud) vorgestellt. Herzlicher Dank gilt dem Verlag Actes Sud, dem Maison Heidelberg in Montpellier und La Marelle und dem Goethe Institut in Marseille! Es war wunderbar mit euch allen! 

Notre Ailleurs

Mit Isabelle Liber

Notre Ailleurs

Lesung in Arles

 

Notre Ailleurs

Lesung in Montpellier

Drei West-Östliche Diven im Interview …

Im vergangenen Sommer sprach ich mit der mazedonischen Autorin Rumena Bužarovska, die die israelische Autorin Tehila Hakimi und mich für ihre feministische Radiosendung Peach Preach interviewt hat. Es war ein großer Spaß, kann man hier nachhören, ich komme ca. ab Minute 60 vor. Wir sprechen über #MeToo, über feministische Vorbilder, über feministische Bewegungen in unseren Ländern, über Serena Williams und Dolly Parton. Auf Englisch, natürlich, mein Mazedonisch ist dann doch noch nicht so gut … 

 

Ab sofort gibt es „Weil wir längst woanders sind“ auch in französischer Übersetzung.

Es ist ja immer ein großer Moment, wenn man die eigenen Worte auch in einer anderen Sprache vor sich sieht. Ab sofort gibt es, von Isabelle Liber wundervoll übersetzt, „Weil wir längst woanders sind“ auch auf Französisch unter dem Titel „Notre Ailleurs“. Es erscheint im Verlag Actes Sud, unter anderem auch das verlegerische Zuhause von Nagib Machfus und Alaa Al Aswani, was mich ganz besonders freut! 

Im Juni wird es dann auch eine kleine Lesetour in Frankreich geben. Details folgen!

Manchmal weiß man ja erst, was man im Leben braucht, wenn man ganz plötzlich mitten hinein fällt. 

Vor ein paar Jahren blieb ich mal im Leben stecken. Es ging nicht vor und nicht zurück, alle fühlte sich schwer und falsch an. Damals, es war 2010, packte ich meine Koffer und ging nach Kairo, für fünf Monate. Ich bezog eine kleine Dachhütte im 26. Stock, schaute jeden Tag hinunter auf Sandsteinfassaden, abgeblätterte Farbe, schmiedeeiserne Balkone, Wäscheleinen, staubige Oleanderbäume und ein Meer von Satellitenschüsseln. Ich verliebte mich unendlich in diese Stadt, in ihr Licht, ihren Lärm, ihre Energie. Nach und nach löste sich etwas in mir, der Kopf wurde klarer, mitten im ägyptischen Smog, Gedanken und Seele wieder frei. Täglich ging ich durch die Straßen, abends schrieb ich. Am Ende war die Idee zu einem Roman geboren und ich – musste einfach mal weit weg, um wieder bei mir anzukommen.

Die letzten Monate in Hamburg fühlten sich festgesteckt an. Festgesteckt in einem Manuskript, das nicht vor ging und nicht zurück, festgesteckt in Geldverdienjobs, festgesteckt im Winter. Alles fühlte sich wie Kampf an, war leer, und so gar nicht ich selbst. 

Wie vom Schicksal so gewollt, kam nun die Einladung, als Resident Writer nach Marseille zu fahren, ins Künstlerzentrum La Marelle. Ich flog los, leer, ausgebrannt, ein bisschen wintertrüb. 

Und dann die ewig gleiche Erkenntnis: Der Süden wirkt wahre Wunder. Marseille, je t’adore, denke ich schon bei meiner ersten Zigarette am Flughafen nach der Landung. Das Licht in allen Farben Rot und Rosa, man hört die Möwen, riecht das Meer. Ich beziehe eine Wohnung mit kleinem schmiedeeisernen Balkon, schaue auf Sandsteinfassaden, Wäscheleinen, sogar einen staubigen Oleander gibt es im Hof. Ich verbringe zehn Tage damit, durch die Straßen zu wandern, Farben und Lärm und Energien aufzusaugen, mir das Meer und die Geschichte anzuschauen, mir davon erzählen zu lassen, wie es sich so lebt, hier, in Frankreichs Melting Pot. Jeden Tag kommt ein bisschen mehr Ich zu mir zurück, jeden Tag verblasst der wintertrübe Seelenschatten ein bisschen mehr. Ich lese „Herkunft“ von Saša Stanišić, weine, lache und bin einfach nur glücklich, dass es Menschen gibt, die der Welt solche Bücher schenken.

Auf dem Heimweg eines Abends stehe ich an einer Kreuzung, strahlend vor Glück über das goldene Licht, als ein netter älterer Herr sich aus seinem Autofenster beugt und mir lächelnd zuruft: „Madame, vous-etes très elegante, très charmante!“, lacht, winkt und fährt weiter. Ich rufe nur: „Merci!“ und lache auch, fühle, wie das Lachen und das Licht mein Herz voll macht. 

Man sollte das immer mal wieder tun, jemandem einfach so sagen, dass er oder sie „Très elegante“ und „très charmente“ ist. Das hört doch jeder gern!

Im August darf ich zurück nach Marseille, in die Wohnung mit dem spinnenbewebten Balkon. Ich werde bis dahin schreiben, an dem Manuskript, das bis vor ein paar Wochen so festgesteckt sich anfühlte. Ich kann’s schon jetzt kaum erwarten! 

 

Da schaut man sich mal um, und schon ist ein ganzes Jahr vergangen, und man hat es kaum gemerkt …

Ja, ich habe das Bloggen vernachlässigt in diesem Jahr. Ich gebe zu, es war zunächst auch eine bewusste Entscheidung. Die politische Situation in diesem Land und der ganzen Welt sowieso ist ja nun nicht gerade ein Kindergeburtstag, und nachdem ich mich über zwei Jahre lang sehr viel und sehr intensiv in meiner Arbeit, öffentlich, mit Menschen, auf Bühnen und auch schreibend damit befasst habe, hatte ich irgendwann das Gefühl, ich muss mal einen Schritt zurück treten. Ich fühlte mich ausgebrannt und alles, was ich sagte und schrieb, der ganze „Kampf gegen Rechts“ kam mir vor wie ein Kampf gegen Windmühlen. „Ich lass jetzt mal andere machen“, dachte ich mir, „ich konzentriere mich jetzt mal eine Weile auf neue Dinge.“ 

Also habe ich Einladungen ausgeschlagen und Nein gesagt zu Anfragen, Texte zu schreiben, die sich mit allem beschäftigen, was meine Arbeit in den letzten Jahren bestimmt hat. Für mein eigenes Seelenheil. Man kann sich einfach nicht permanent mit Nazis befassen. 

Nun denn. Das war dann aber auch nur ein Grund für diese ausgedehnte Blogpause. Seit 2015 denke ich jedes Jahr: „Dieses Jahr wird ruhiger.“ Und am Ende jedes weiteren Jahres muss ich dann lachen. 2018 war dann auch so ein Fall. Von wegen ruhig. Ich war wieder viel unterwegs, hab Dinge gesehen, erlebt, Menschen getroffen, gelernt, gearbeitet. 

Da war zunächst einmal eine Reise nach Polen im Frühjahr. Recherche für ein neues Buch.

4 Wochen lang fuhr ich mit meinem kleinen Mietauto durch den Norden und Osten des Landes, schaute mir Dörfer an und kleine Städte, ließ mir Geschichten von Menschen erzählen, schaute mir Bilder in Museen an und vor allem die wunderschöne Landschaft. Notizbücher füllten sich, Bilder prägten sich ein, Geschichten wuchsen. 

 Kaum zu Hause, ging es dann schon weiter. Ich hatte das unfassbare Glück und Privileg, als eine von 28 Resident Writers zum International Writing Program der Universität von Iowa eingeladen worden zu sein.

Drei Monate lang verbrachten wir im amerikanischen Mittelwesten, schrieben, lasen, schlossen Herzensverbindungen, reisten gemeinsam, unterrichteten an der Uni, lasen vor, hielten Vorträge, lebten den Traum aller Schriftsteller. Ich habe all die Erfahrungen und Bilder aus Iowa noch nicht verarbeitet. Zu viel, zu intensiv, zu glücklich war die Zeit, um schon jetzt Revue zu passieren und sie in die Kiste mit Erinnerungen zu packen.

 

Befreundete Autoren, die in der Vergangenheit schon an dem Program teilgenommen haben, sagten mir alle: „Es hat mein Leben verändert!“ Ich glaube, ich kann das unterschreiben. 

Nun bin ich seit 4 Wochen wieder zurück in Hamburg und frage mich, wo das Jahr eigentlich geblieben ist. Ja, ich wollte längst weiter sein mit dem Schreiben eines neuen Buches. Ich hatte so viele Ideen und Pläne. Aber wie meine Oma immer so schön sagte: „Der Mensch macht Pläne und Gott lacht.“ Also – es ist so wie es ist, und ich gehe jetzt wieder an die Arbeit. 

Zum Thema „neues Buch“ sei noch eine Sache gesagt. Kürzlich traf ich eine befreundete Autorin zum Kaffee. Sie arbeitet auch gerade an ihrem neuen Buch, kämpft aber genau wie ich jeden Tag mit sich selbst und den Erwartungen der anderen, weil es vermeintlich nicht schnell genug geht. „Letztens fragte mich ein Journalist, ob ich überhaupt noch schreibe!“, erzählt sie und wir regen uns kurz ein bisschen über diese Unverschämtheit auf. 

Liebe Leute: Ja, ich schreibe noch. Auch meine Freundin schreibt noch. Ununterbrochen sogar. Aber – um jetzt nur mal von mir zu sprechen: In 2 Jahren hatte ich knapp 100 Lesungen aus meinem ersten Buch. Ich hatte das Glück und große Privileg, sehr viel reisen zu können, dem Buch sei dank. Zwischendurch habe ich Bücher übersetzt, Artikel geschrieben und Workshops geleitet. Alles viel Arbeit. Bücher schreiben braucht Zeit. Und auch ein bisschen Ruhe. Also schenkt euch doch bitte solche Kommentare in Zukunft und gönnt uns die Zeit, die es eben braucht. 

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten für alle, und ein glückliches und ruhiges (haha) 2019! 

 

 

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