Die Nachrichten aus Gaza sind derzeit zugunsten anderer Brandherde auf der Welt ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Trotz allem hat sich die Lage für die Menschen dort nicht verbessert. Im Gegenteil. Wir dürfen das nicht vergessen. Ein Ende der Israelischen Belagerung und der Angriffe ist nicht in Sicht.

Ich habe mich in letzter Zeit einige Male rechtfertigen müssen für mein Engagement, dafür, dass ich auf Demos gehe und ab und zu an dieser Stelle Position beziehe. Dazu möchte ich nichts weiter sagen außer dies: Ich sympathisiere keinesfalls und unter keinen Umständen mit den Verbrechern und Fanatikern der Hamas. Ihre Ideologie, Rhetorik und Handeln sind in meinen Augen ebenso verabscheuenswert wie die Ideologie, Rhetorik und Handeln der israelischen Regierung. Es gab in den letzten Wochen zum Glück genug Texte und Artikel und Berichte von Künstlern, Reportern und Autoren, die von beiden Seiten her versuchen, zu erklären, dass das Gros der Menschen in den betroffenen Gebieten das ebenso sieht. Hier sind einige der meiner Ansicht nach besten Texte, die ich in den letzten Wochen dazu gelesen habe, von dem israelischen Autor Etgar Keret, vom arabisch-israelischen Schriftsteller Sayed Kashua und ein Interview mit Daniel Barenboim.

Und für die Menschen, nicht für die Politik und den Machterhalt steht auch das Gedicht „عن إنسان“ des großen palästinensischen Dichters Mahmoud Darwish. Es galt damals nicht explizit den Menschen von Gaza, sondern dem Palästinensischen Volk. Wenn ich es lese, oder und vor allem in der wunderschönen Vertonung der bezaubernden palästinensischen Sängerin Nai Barghouti höre, denke ich, Mahmoud Darwish würde es heute auch den Menschen von Gaza widmen wollen.

Über den Menschen 

Sie legten Ketten um seinen Mund

Und fesselten seine Hände an den Fels des Todes.

Und sagten: Du bist ein Mörder!

Sie nahmen ihm sein Essen und die Kleider und die Banner

Und warfen ihn in die Todeszelle.

Und sagten: Du bist ein Dieb!

Sie schnitten ihn von allen Häfen ab,

nahmen ihm seinen kleinen Liebling und sagten dann: Du bist ein Flüchtling!

Oh blutige Augen und Hände!

Die Nacht ist nicht unendlich.

Keine Zelle ist ewig, und auch nicht der Griff der Ketten!

Nero starb, doch Rom vergeht nicht … Sie kämpft mit ihren Augen!

Und die Saat der Ähren wird trocknen

Und das Tal mit Ähren füllen.

(Deutsch: Rasha Khayat)

Vor einigen Monaten schickte mir eine ägyptische Freundin aus USA diesen Clip:

Es handelt sich um die Vertonung eines Gedichtes von Mahmoud Darwish, عن إنسان – Über einen Menschen. Die Stimme, die Melodie und Darwishs ewig schöne Worte haben mich völlig vom Hocker gerissen. Beim ersten, zweiten, dritten Hören sind mir immer wieder die Tränen gekommen, so schön, so traurig, so unglaublich fand ich das Stück.

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